Die 4 Zyklusphasen anhand des Jahreszeiten Modells
Immernoch wird der weibliche Zyklus mit einem einzelnen Ereignis verknüpft: Der Periode.
Heute wollen wir uns den Ablauf aber einmal etwas genauer ansehen: Dazu gehören die vier Zyklusphasen, die anhand des Modells der inneren Jahreszeiten erklärt werden. Zudem betrachten wir die körperlichen und mentalen Bedürfnisse in den einzelnen Phasen. So lernst du, wie du das Beste für dich aus jeder Phase herausholen kannst.
I. Die 4 Zyklusphasen
Als Frauen durchlaufen wir in unserem Leben ab der ersten Menstruation circa 400 – 500 Zyklen. Das heißt nicht nur, dass wir so oft bluten, sondern auch, dass so gut wie jeden Zyklus eine Eizelle heranreift und springt. Eventuell entsteht daraus auch ein neues Leben.
Wie können wir also besser verstehen, was in unserem Körper während eines Zyklus alles passiert? Anhand des Vier-Jahreszeiten Modells möchte ich dir eine neue Sicht auf unser zyklisches Sein geben.
Genauso wie sich nämlich in der Natur verschiedene Ereignisse zu bestimmten Zeiten wiederholen, trifft das auch auf uns Frauen in unserer fruchbaren Zeit zu: Innerhalb von einem Zyklus durlaufen wir 4 Phasen, unsere inneren Jahreszeiten: Den inneren Winter, Frühling, Sommer und Herbst, oder auch in Fachsprache: Menstruationsphase, Follikelphase, Eisprungphase und Lutealphase. Verstehen wir erst einmal, was sich in den einzelnen Phasen in unserem Körper abspielt, können wir ihn dementsprechend auch besser unterstützen und zu mehr Harmonie im Zyklus finden.
II. Das 4 Jahreszeitenmodell
Der innere Winter
Der innere Winter beginnt mit dem ersten Tag unserer Blutung, steht also für unsere Menstruationsphase. Die Hormone Östrogen und Progesteron sinken auf einen Tiefstand und die Gebärmutterschleimhaut, die über den vorherigen Zyklus aufgebaut wurde, wird durch rhythmische Kontraktionen der Gebärmutter abgestoßen, was als unser Menstruationsblut dann zu sehen ist. Dieser Prozess wird oft unterschiedlich wahrgenommen – von kaum spürbar, über ein leichtes Ziehen im Unterbauch oder dem unterem Rückenbereich bis hin zu starken Krämpfen ist hier großes Spektrum an Empfindungen möglich. Diese Phase steht also sowohl für den Abschluss des alten Zyklus, als auch für den Beginn eines Neuen.
Da der Vorgang des Abstoßens der Gebärmutterschleimhaut dem Körper viel Kraft kostet, ist es ganz normal, dass unser Ruhebedürfnis zunimmt und wir uns lieber etwas zurückziehen. Wie wir im Winter uns also lieber etwas einigeln, einkuscheln und gerne auch mal für uns sind. Die ganze Menstruationsphase wird oft immernoch damit assoziiert, dass Frauen „schwach“ sind, weil wir nicht darauf ausgelegt sind, immer Vollgas zu geben. Dabei kann diese Phase des Loslassens einen enormen Vorteil bieten: Nämlich das Innehalten. So können wir uns dem inneren Winter hingeben, gut auf uns achten und auch die Zeit für Innenschau und Reflektion nutzen. Nach den ersten 3-5 Tagen der Blutung kehrt bei den meisten Frauen wie von selbst wieder die Aktivität mehr und mehr ins Leben zurück und der innere Frühling wird eingeleitet.
Der innere Frühling
Der innerer Frühling
Im inneren Frühling widmet sich unser Körper der Reifung neuer Follikel. Der am stärksten und besten ausgereifte Follikel wird zum Ende dieser Phase dann bei der Ovulation springen. Auf hormoneller Ebene steigt zu dieser Zeit unser Östrogenspiegel an, und die Gebärmutterschleimhaut wird aufgebaut – das Nest für ein potenzielles neues Leben wird sozusagen vorbereitet und die Basis dafür geschaffen. Zudem erleben viele Frauen auch eine Verbesserung ihrer Haut und Haare, da sich der Anstieg des Östrogenspiegels positiv auf die Hautbeschaffenheit wirkt und sie strahlender und klarer erscheinen lässt.
Genauso wie nach dem Winter eine Knospe im Frühling das Licht erspürt und daran wächst, so tasten auch wir uns in dieser Phase wieder an die äußere Welt heran, um sie zu erkunden. Wir nehmen wahr, wie unsere Lebensenergie steigt, wir neugierig und verspielt sind. Diesen Prozess auch fließen zu lassen und uns die Tage nicht mit Terminen zu voll zu legen, kann hier von Vorteil sein. So tasten wir uns langsam wieder an die Außenwelt heran, um uns auch nicht zu überfordern. Tag für Tag sammeln wir nun mehr Energie, für das eigentliche zentrale Ereignis des Zyklus.
Der innere Sommer
Erreicht der steigende Östrogenspiegel seinen Höhepunkt, wird im Zusammenspiel mit den Hormonen FSH (follikelstimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) der Eisprung ausgelöst. Diese Phase ist mit circa drei Tagen die kürzeste von allen, denn der Eisprung selbst dauert nur etwa 12 Stunden. Dennoch sind wir aufgrund der Lebensdauer der Spermien im weiblichen Körper ungefähr 3-4 Tage fruchtbar. Eine weitere damit einhergehende Veränderung ist die Beschaffenheit des Zervixschleims: Er wird klar, dehnbar und fast flüssig, was die Bedingungen für eine mögliche Befruchtung erleichtert.
In dieser Phase begegnen wir der Welt offen und fühlen uns in unserem vollen Potential, unserer Sinnlichkeit und Kraft. Vielen Frauen fällt es in dieser Zeit leichter, neue Projekte anzugehen, sportlich aktiv zu sein und sozialen Aktivitäten nachzugehen. Da uns im inneren Sommer vieles leichter fällt, ist es umso wichtiger, uns selbst nicht zu verurteilen, wenn wir uns in anderen Zyklusphasen schneller ausgebrannt fühlen.
Der innere Herbst
Der innere Herbst beschreibt die Lutealphase, die mit dem steigenden Progesteronspiegel eingeleitet wird. Dieses Hormon, das hauptsächlich von der übriggebliebenen Follikelhülle (dem Corpus Luteum) produziert wird, sorgt für eine gute Versorgung und Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut. Zudem lässt es unsere Körpertemperatur um etwa 0,2-0,3 °C ansteigen, sodass wir wärmer sind als in den Phasen zuvor. Dementsprechend benötigt unser Körper in dieser Phase auch mehr Energie, weshalb wir schneller zu Heißhunger neigen. Der innere Herbst dauert in der Regel 10 bis 14 Tage. Falls es zu einer Befruchtung gekommen ist, bleibt der Progesteronspiegel hoch und unterstützt die frühe Schwangerschaft. Wenn das Ei jedoch unbefruchtet bleibt, sinkt der Progesteronspiegel ab, und die Menstruation setzt ein.
Auf emotionaler Ebene findet hier der Übergang von einem äußeren, eher extrovertierten Sein (dies ist natürlich auch typabhängig) hin zu einer inneren Zentrierung statt. Achten wir gut auf uns und unsere Bedürfnisse, können wir diese Phase nutzen, um zu erkennen, was uns wichtig ist, und uns darauf fokussieren. Sinnbildlich bereiten wir mit der Einkehr der Ruhe das Nest für den inneren Winter vor.
III. Zusammenfassung
Wie du nun siehst, durchlaufen wir innerhalb eines Zyklus anschaulich gesehen ein ganzes Jahr – von Winter bis Herbst. Es gilt dabei diesen Wandel der Phasen anzuerkennen und auch unsere damit einhergehenden Bedürfnisse besser zu verstehen. Vielleicht sind dir diese Wechsel auch schon aufgefallen? Wie äußern sie sich?
Mir hilft es hier immer ein Zyklustagebuch zu führen und die einzelnen Phasen nochmals Revue passieren zu lassen: Was fiel mir besonders leicht oder schwer in der jeweiligen inneren Jahreszeit? Es kann gut sein, dass sich hier Muster erkennen lassen über mehrere Zyklen.
Und doch möchte ich dafür sensibilisieren, dass es natürlich keine Vorschrift gibt, wie wir uns fühlen sollten. Es kann natürlich genauso sein, dass du zur Zeit deiner Blutung sehr offen und sozial unterwegs bist, und zur Zeit deines Eisprungs dich lieber zurückziehst. Das ist ganz individuell und alles darf da sein.
Von Herzen
Katrin
Hast du noch Fragen zu den Zyklusphasen?
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Die Pille unterdrückt den natürlichen Zyklus, indem sie den Eisprung verhindert und die Hormonspiegel konstant hält. Dadurch befindest du dich zyklisch gesehen im inneren Herbst und zum Zeitpunkt der Blutung im inneren Winter.
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Klar, wenn du die Eigenschaften jeder Zyklusphase kennst, kannst du deinen Alltag besser planen. Zum Beispiel eignet sich die Follikelphase für das Starten neuer Projekte, die Eisprungphase für soziale und kommunikative Aufgaben, die Lutealphase für das Abschließen von Aufgaben und die Menstruationsphase für Reflexion und Planung.
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Durch das Führen eines Zyklustagebuchs, lernst du deinen Köper und auch deine emotionalen Veränderungen während des Zyklus besser kennen. Dadurch kannst du lernen, deine Bedürfnisse in jeder Phase zu verstehen und dich entsprechend anzupassen, um mehr Harmonie im Zyklus zu finden.
Schau doch hier vorbei, falls du noch mehr über die einzelnen Hormone im Zyklus erfahren magst: